Baum des Monats
Dezember - Walnussbaum
Die Früchte unseres Baums des Monats erfreuen sich aktuell grosser Beliebtheit. Sie gehören zum Dezember wie artenreiche Blumenwiesen zum Naturnetz Pfannenstil. Ob im Samichlaussäckli oder auf dem Weihnachtsteller, Walnüsse passen zu dieser Jahreszeit immer. Der Walnussbaum (Juglans regia) ist heute bei uns weit verbreitet. Ursprünglich kam er aber nur in kultivierter Form vor, denn er stammt aus Persien. Über Griechenland gelangte er vor langer Zeit nach Europa.
Der Nussbaum wächst im Feld, am Waldrand, in Auen- und Laubmischwälder, aber auch in einem grösseren Hausgarten findet er einen Platz. Er kann bis zu 25 Meter hoch und bis zu 150 Jahre alt werden. Walnussbäume haben Pfahlwurzeln, die tief in die Erde reichen. Sein Wurzelwerk ist riesig, denn es wächst auch weit über die Krone hinaus. Seine Blätter sind unpaarig gefiedert, die Teilblätter länglich-eiförmig. Da sie erst im Mai erscheinen und im Herbst früh abfallen, eignet sich der Baum gut für den Garten. Er lässt das Licht der schwächeren Sonne von Herbst bis Frühjahr durch die blattlose Krone scheinen und spendet im Sommer angenehmen Schatten.
Die männlichen Blüten erscheinen als hängende Kätzchen und blühen im April und Mai. Die weiblichen sind unscheinbar und befinden sich an den Enden der vorjährigen Triebe. Da der Nussbaum vom Wind bestäubt wird, muss er keine auffälligen Blüten oder Nektardrüsen haben, um Bestäuber anzulocken. Nach der Befruchtung entwickeln sich die Blüten zur Walnuss, die von einer fleischigen, grünen Schale umgeben ist. Die Schale platzt zur Reifezeit im September oder Oktober auf und legt die Nuss frei. Wer Nüsse erntet, sollte sie nach dem Entfernen der Schalenreste an einem warmen, geschützten Ort für drei bis sechs Wochen trocknen lassen, um Schimmel vorzubeugen. Auch danach sollten die Nüsse möglichst gut durchlüftet gelagert werden.
Eichhörnchen, Siebenschläfer, Mäuse und Krähen mögen die nahrhaften Walnüsse ebenfalls und legen sich gerne Vorräte davon an. Aus Nüssen, die nicht (mehr) gefunden werden, können neue Bäume wachsen. Das Wort Walnuss ist im Hochdeutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt und stammt aus dem Niederdeutschen mittelniederdeutsch walnut). Da die Nuss aus Italien und Frankreich, also von den Romanen (auch Welsche, Walachen genannt) nach Deutschland kam, wurde sie dort als «welsche Nuss» oder «Welschnuss» bezeichnet. Daraus entwickelt sich der Name Walnuss.
In der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es einige schöne Walnussbäume. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang, einer Wanderung oder einem Schwumm im See verbinden.
Ein schöner Walnussbaum steht in der Gemeinde Küsnacht bei der Badeanlage Bogleren. Dort spendet er im Sommer wertvollen Schatten.
Bäume des Monats 2025
© Barbara Schmid
Rotbuche
Die Rotbuche (Fagus sylvatica), umgangssprachlich oft als Buche bezeichnet, ist der typische Waldbaum Mitteleuropas. Rotbuchen können bis zu 40 m hoch und mehrere hundert Jahre alt werden. Die glatte Rinde bleibt auch bei älteren Bäumen relativ dünn und silbergrau. Ihre Blätter sind eiförmig, glatt und glänzend grün. Im Herbst werden sie gelb bis rötlichbraun, bevor sie abfallen. Die Blüten der Rotbuche sind unscheinbar und erscheinen zusammen mit den Blättern im April/Mai. Nach der Blüte bilden sich bis zum Herbst die Früchte, die sogenannten Bucheckern, aus. Diese sind besonders beliebt bei Wildtieren, aber auch Menschen könnten sie in geringen Mengen verzehren.
Mehr als 70 Schmetterlingsarten bevorzugen die Blätter, die Blüten oder die Borke der Rotbuche. Viele weitere Insekten nutzen die Buche als Nahrungsquelle oder Versteck. Das herabfallende Buchenlaub und das weitreichende Wurzelsystem bereichern den Boden. Am und um die Bäume sind unzählige Flechten, Moose und Pilze sowie Insekten zu finden.
Buchenwälder bilden oft Hallenwälder, wobei die Baumstämme an gotische Hallenkirchen erinnern und die Krone ein dichtes Dach bildet. Die Krautschicht setzt sich je nach Waldtyp unterschiedlich zusammen. Im Winter ist die Besonnung des Waldbodens intensiv. Sobald die Blätter austreiben, schliesst sich das Dach immer mehr bis nur noch wenig Licht den Boden erreicht. Frühblüher nutzen die ersten Sonnenstrahlen anfangs Jahr, um auszutreiben, zu blühen und zum Bilden der Früchte, bevor die Buche ihre Blätter zeigt. Ein Besuch im Buchenwald lohnt sich darum auch anfangs Jahr.
Die Rotbuche reagiert auf die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte, die mit häufigeren Trockenperioden einhergeht, z.B. mit einer Reduktion der Blattdichte im Kronenbereich. So verdunstet sie weniger Wasser. Ausserdem kommen Mastjahre, in denen Bäume auffallend grosse Mengen an Früchten produzieren, häufiger vor als früher. Die Mastjahre sind kräftezehrend und führen dazu, dass weniger Energie in die Blätter fliesst. Diese fallen darum oft kleiner aus.
Auch in der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es imposante Exemplare von Rotbuchen zu entdecken. Ein Besuch der Bäume lässt sich gut mit einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Region verbinden. Sind Sie beispielsweise in der Gemeinde Küsnacht unterwegs, lohnt sich ein Besuch der Rotbuche beim Alters- und Gesundheitszentrum Wangensbach. Vom Bahnhof Küsnacht erreicht man sie in ca. 10min.
Übrigens: Die alten Germanen haben beim Fällen von wichtigen Entscheidungen jeweils Runenstäbchen beigezogen. Sie ritzten Runen, also Schriftzeichen, in Stäbchen aus dem harten und schweren Holz der Buche. Die Stäbchen wurden wie ein Orakel befragt. Eine Theorie besagt, dass das Wort Buchstabe aus diesen Buchenstäbchen abgeleitet wurde.
Schwarz-Erle
Die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) stellt Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit und ist häufig an Gewässern, Mooren und anderen nassen Standorten zu finden. Sie ist eine typische Art des Bruch- und des Auenwaldes. Da die Schwarz-Erle von allen einheimischen Baumarten am besten mit stehendem Wasser und Staunässe klarkommt, ist sie in der Schweiz vor allem an dauernd nassen Standorten besonders stark vertreten. In der Schweiz sind solche Standorte jedoch selten, da das Mittelland zu einem grossen Teil entwässert wurde. Standorte, die dauerhaft trocken sind, besiedelt die Schwarz-Erle nicht. Andere Arten vertragen diese Bedingungen besser als sie.
Unser Baum des Monats hat ein tiefreichendes Wurzelsystem, das auch längere Überschwemmungen verträgt. In den bodennahen Wurzeln bildet die Schwarz-Erle Wurzelknöllchen, in denen Bakterien leben, die Stickstoff aus der Luft binden können. Diese Symbiose ermöglicht es der Schwarz-Erle auch an stickstoffarmen Standorten wachsen zu können.
Exemplare, die an Ufern von Bächen stehen, weisen häufig Wurzeln auf, die zum Teil ins Wasser ragen. Sie stabilisieren das Ufer und schützen es vor starker Erosion. Die Wurzeln können unter anderem Fischen, Krebsen und Amphibien als Schutz- und Rückzugsort dienen.
Schwarz-Erlen werden bis zu 20 m hoch. Ihre grünlich-braune Rinde wird mit der Zeit bräunlich-grau und reisst auf. Sie wird zu einer dunkelgrauen bis schwärzlichen, zerklüfteten Borke. Ihre rotbraun bis braunvioletten Blattknospen sind schraubig angeordnet, lang gestielt, kahl und klebrig. Die dunkelgrünen Blätter sind beliebt bei Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten. Ihre lockere Krone ist ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Insekten.
An einem Baum kommen weibliche und männliche Blütenstände vor. Die Blütenkätzchen werden bereits im Sommer für das nächste Jahr angelegt. Im Februar beginnen zuerst die männlichen, rötlich-gelben Kätzchen zu blühen, bevor das Laub austreibt. Die weiblichen Kätzchen sind deutlich kleiner und blühen erst später. Die Samen reifen in den schwarzen und holzigen Zäpfchen und werden im Winter gerne von Distelfinken gefressen. Die Samen weisen Flugblättchen auf, durch die sie gut durch Wind und Wasser verbreitet werden können. Von diesen produziert sie besonders in jungen Jahren sehr viel. Die Schwarz-Erle gehört auch zu den ersten Baumarten, die freie Flächen besiedeln und braucht genügend Licht.
Silber-Weide
Unser Baum des Monats ist eine mittelgrosse Laubbaumart mit einer ausladenden Krone. Sie wächst schnell und kann eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen. Die jungen Äste sind an der Basis silbergrau gefärbt. Die lanzettförmigen Blätter besitzen auf der Unterseite feine, kurze Härchen, die das Licht reflektieren. Da sich die Blätter bei Luftstössen leicht umdrehen, entsteht ein silbriger Schimmer – diesem verdankt die Silber-Weide (Salix alba) ihren Namen. Die Rinde ist anfangs glatt und hellgrau, wird aber mit zunehmendem Alter rissig und tief gefurcht.
Die Kätzchen verschiedener Weidenarten blühen früh im Jahr und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, die bereits ab März unterwegs sind. Die Silber-Weide jedoch gehört zu den eher spätblühenden Weidenarten, da ihre Blüte meist erst im April beginnt. Die Samen sind zwischen Juni und Juli ausgereift. Ihre langen, weissen Haare dienen ihnen als Flughilfe, sodass sie vom Wind verbreitet werden können. Unter optimalen Bedingungen keimen sie innerhalb weniger Stunden.
Wie die Grau-Erle bevorzugt auch die Silber-Weide feuchte Standorte und ist ein typischer Baum der Auenlandschaften. Sie besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit und bildet zahlreiche Stockausschläge. Damit ist sie optimal an die Dynamik der Auenwälder angepasst, wo es immer wieder zu Überschwemmungen, Abtragungen und Ablagerungen kommt. Ihre fein verzweigten, dichten und flachen Wurzeln stabilisieren Uferböschungen und verhindern Erosion.
Als Pionierbaum hat die Silber-Weide hohe Lichtansprüche. Dadurch ist sie konkurrenzschwach und wird im Verlauf der natürlichen Waldentwicklung (Sukzession) bereits nach etwa 15 Jahren von anderen Baumarten verdrängt.
Dennoch hat sie eine enorme Bedeutung für die Biodiversität. Sie ist stark anpassungsfähig, salztolerant und eignet sich gut für das Stadtklima. Zudem weist sie einen hohen Biodiversitätsindex auf: Sie bietet Moosen, Flechten, Wildbienen, Käfern, Schmetterlingen, Vögeln und Säugetieren Nahrung, Lebensraum und Schutz. Ihr Verbreitungsgebiet überschneidet sich mit dem des Bibers, der oft seine Baue in der Nähe von Weiden anlegt und sich von deren Gehölz ernährt. Auch für zahlreiche Pilzarten sind Weiden eine Lebensgrundlage, einige von ihnen sind sogar auf die Silber-Weide spezialisiert.
Das Holz der Silber-Weide ist leicht und elastisch und wird traditionell zur Herstellung von Korbwaren, Spielzeug und Streichhölzern verwendet. Auch in der Medizin hat die Silber-Weide eine lange Geschichte. Ihre Rinde enthält Salicin, einen natürlichen Vorläufer der Salicylsäure, die für ihre fiebersenkenden, schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt ist. Da reine Salicylatpräparate jedoch zahlreiche Nebenwirkungen haben, entwickelte der Chemiker Felix Hoffmann eine schonendere Variante: Er reagierte die Substanz mit Essigsäure und erschuf so die Acetylsalicylsäure – heute bekannt als Aspirin. Heutzutage wird dieser Wirkstoff synthetisch hergestellt, weshalb die Silber-Weide in der Heilmittelproduktion an Bedeutung verloren hat.
Berg-Ahorn
Der Baum des Monats April verleiht unseren Laubwäldern endlich wieder etwas Farbe. Die gelbgrünen Blüten des Berg-Ahorns entfalten sich im April und bieten Wildbienen, wie Sand- und Mauerbienen, sowie Schmetterlingen durch ihr Nektarreichtum eine wertvolle Nahrungsquelle. Berg-Ahorne blühen aber erst ab einem Alter von 25 Jahren zum ersten Mal.
Der zuckerhaltige Saft, der bei Verletzungen aus dem Baum rinnt, ist bei Vögeln beliebt. Besonders Gimpel und Meisen holen sich gerne diese Leckerei ab. Die Blätter des Berg-Ahorns sind handförmig, gross und fünflappig. Sie sehen jenen des Spitz-Ahorns ähnlich, haben aber stumpfe Spitzen. Im Herbst verfärben sie sich meist intensiv goldgelb und sind eine Augenweide in der Landschaft. Die oberseitig dunkelgrünen Blätter sind besonders bei Schmetterlingen beliebt, denn sie stellen eine wichtige Raupennahrung dar. Das Herbstlaub des Ahorns wird innerhalb eines Jahres zu wertvollem Laubkompost und kann im Nutzgarten eingesetzt werden. Als Mulch verwendet, kann es den Boden vor Erosion und Frost schützen.
Die Samen des Berg-Ahorns sind propellerartig geflügelt. Mithilfe dieses «Helikopters» verbreiten sich Ahorne erfolgreich. In der Schweiz gehört der Berg-Ahorn zu einer der häufigsten Baumarten. Er kommt bis zur Baumgrenze vor. In tieferen Lagen gedeiht er oft in Mischwäldern, während er in höheren Lagen eher als Einzelbaum oder in kleineren Gruppen wächst. Der Berg-Ahorn ist sehr widerstandsfähig und kann selbst grosse Stammwunden schnell überwallen. Darum ist er auch als Steinschlagschutz geeignet.
Berg-Ahorne erreichen eine Grösse von bis zu 30 m und können bis zu 500 Jahre alt werden. Die grosse Krone wächst bei freistehenden Bäumen gleichmässig rund bis eiförmig. Die Rinde ist im jungen Alter hell-graubraun und verfärbt sich mit zunehmendem Alter dunkelgrau bis rotbraun. Im Laufe der Jahre entwickelt er eine schuppige Borke, die stückweise abblättert. Was an die Borke der Platane erinnert. Damit lässt sich auch der wissenschaftliche Name (Acer pseudoplatanus) erklären.
Früher versuchte man mit dem Berg-Ahorn, Hexen, Maulwürfe oder Blitzschläge von Haus, Hof und Feldern fernzuhalten. Auch traditionelle Anlässe und öffentliche Beratungen wurden während Jahrhunderten gerne unter den Kronen von Berg-Ahornen abgehalten, denn diese Bäume wurden verehrt.
In der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es schöne Berg-Ahorne zu entdecken. Ein Besuch der Bäume lässt sich gut mit einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Region verbinden. Ein schönes Exemplar befindet sich hier.
Apfelbaum
Der Apfelbaum (Malus domestica) gehört zur Familie der Rosengewächse und ist einer der bekanntesten und beliebtesten Obstbäume weltweit. Ursprünglich stammt er aus Zentralasien, wird heute jedoch in vielen Teilen der Welt kultiviert. Apfelbäume sind nicht nur für ihre schmackhaften Früchte bekannt, sondern auch für ihre schöne Blüte im Frühling, wenn sie mit weissen oder rosafarbenen Blüten übersät sind. Im April und Mai können die Bäume in ihrer vollen Pracht bewundert werden.
Im Sommer wachsen aus den befruchteten Blüten die beliebten Äpfel, die im Spätsommer bis Herbst geerntet werden. Weltweit gibt es über 20’000 verschiedene Apfelsorten – süss, sauer, knackig oder saftig und von grün über gelb bis tiefrot. Alte Sorten gelten oft als besonders widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingen.
Der Apfelbaum ist aber nicht nur für den Menschen wertvoll. Er spielt auch eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Blüten liefern im Frühjahr reichlich Nektar und Pollen für Wildbienen und viele andere Insekten. Viele Vogelarten nisten im Baum, suchen Schutz im dichten Laub oder nutzen geeignete Äste als Sitzwarte. Auch die Früchte sind für Tiere wie Insekten, Vögel, Igel und Rehe eine wichtige Nahrungsquelle. Alte oder abgestorbene Bäume bieten zudem Lebensraum für zahlreiche Insektenarten wie Totholzkäfer und Höhlenbrüter wie Spechte. Ein Apfelbaum fördert also die Artenvielfalt und ist ein wertvoller Bestandteil naturnaher Gärten und Landschaften wie Streuobstwiesen.
Die Landschaft der Pfannenstilregion war anfangs des 20. Jahrhunderts geprägt von unzähligen Obstbäumen. Zwischen 1950 und 1975 wurden in der ganzen Schweiz jedoch Hundertausende bis Millionen von Bäumen gefällt. Ein Grund dafür war unter anderem die Angst vor dem Alkoholismus, der sich in den 1920er und 1930er Jahre verbreitet hat. Ein neues Alkoholgesetz, das 1930 angenommen wurde, sollte den übermässigen Konsum eindämmen. Daraufhin reglementierte der Staat den Anbau von Mostobst. In der Folge wurden die Hochstammobstbäume überflüssig, waren nicht mehr rentabel und der Bund zahlte für jeden gefällten Hochstammobstbaum eine Prämie. Neben dem Alkoholgesetz war aber auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft ein wichtiger Treiber der Baumfällungen. Nach dem 2. Weltkrieg sollte die Landwirtschaft effizienter und produktiver werden und die Nachfrage nach alten Tafel- und Mostapfelsorten nahm ab. Der Markt verlangte einheitliche und schön aussehende Früchte.
Die Fällung der Bäume führte zu einem massiven Rückgang der Biodiversität und zum Verschwinden einer jahrhundertealten Kulturlandschaft. Inzwischen wird der Wert der Hochstammobstbäume wieder erkannt und alte Obstsorten und artenreiche Streuobstwiesen werden wieder gefördert. Auch das Naturnetz Pfannenstil hat in den vergangenen 25 Jahren zahlreiche Hochstammobstbäume gepflanzt.
Wer sich ein Bild von den Obstbäumen im Naturnetz Pfannenstil in den 1930er Jahre machen möchte, kann auf map.geo.admin eine Zeitreise erleben. Dort lassen sich Luftbilder aus verschiedenen Jahren anschauen und der Rückgang der Obstbäume kann so von Jahr zu Jahr beobachtet werden.
Auch in der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es zurzeit schöne Apfelbäume zu entdecken. Ein Besuch des Baums lässt sich gut mit einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Region verbinden.
Im Tannacher Meilen steht einer der schönsten Apfelbäume der Region.
Linde
Die Sommerlinde und die Winterlinde gehören zur Familie der Malvengewächse und sind die einzigen heimischen Lindenarten in der Schweiz. In Mitteleuropa kommen sie häufig vor. Beide Bäume sind wegen ihrer schönen Wuchsform, ihrer Blüten und ihrer kulturellen Bedeutung geschätzt und werden von uns als Linde bezeichnet. Doch es gibt auch einige Unterschiede zwischen den beiden Arten.
Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ist ein stattlicher Laubbaum, der bis zu 40 Meter hoch werden kann. Typisch für sie sind ihre grossen, herzförmigen Blätter mit einer behaarten Unterseite und weisslichen Bärtchen in den Nervenwinkeln. Die Sommerlinde blüht im Juni, etwas früher als die Winterlinde. Ihre Blüten sind stark duftend und werden gern von Bienen und weiteren Insekten besucht. Die Sommerlinde gilt als wichtige Bienenweide.
Charakteristisch ist auch ihre Rinde, die bei jungen Bäumen glatt ist und sich im Alter längsrissig entwickelt. Die Sommerlinde bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige Böden und sonnige bis halbschattige Standorte.
Die Blätter der Winterlinde (Tilia cordata) sind steifer als jene der Sommerlinde, aber die Form ist sehr ähnlich. Ihr wissenschaftlicher Name „cordata“ (herzförmig) verweist auf ihre Blattform. Die Unterseite ihrer Blätter ist oft blaugrün und hat rostfarbene Bärtchen in den Nervenwinkeln. Sie blüht ebenfalls ab Juni, oft etwas später als die Sommerlinde. Auch ihre Blüten sind für Insekten attraktiv, allerdings etwas weniger intensiv duftend. Die Winterlinde ist ebenfalls ein stattlicher Baum und erreicht Höhen bis etwa 30 Meter.
Beide Lindenarten sind langlebig und können mehrere hundert Jahre alt werden. Ihr Holz ist weich, leicht zu bearbeiten und wird häufig für Schnitzereien verwendet. Die Lindenblüten beider Arten werden zudem in der Naturheilkunde zum Beispiel als lindernder Lindenblütentee bei Erkältungen geschätzt.
In der Schweiz ist die Winterlinde häufiger als die Sommerlinde und bevorzugt geschützte Lagen im Mittelland sowie in Föhntälern. Linden wurden an zahlreichen Orten angepflanzt, wo sie ursprünglich nicht vorgekommen sind. Stimmen die Bedingungen, wachsen sie bis auf 1500m ü. M. Grössere Lindenbestände sind eher selten. Unsere Linden wachsen oft in Gesellschaft von Esche, Ulme, Ahorn, Eiche und Buche und sind beliebt als Park- und Alleebäume sowie als mächtige Einzelbäume auf Dorfplätzen.
In der Kulturgeschichte Mitteleuropas spielen Linden seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle z.B. als Dorf- und Gerichtslinde, als Treffpunkt oder Symbol für Liebe und Frieden.
In der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es schöne Linden zu entdecken. Ein Besuch der Bäume lässt sich gut mit einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Region verbinden. Eine besonders eindrückliche Linde befindet sich zum Beispiel direkt am Bahnhof Meilen.
Vogelkirsche
Die Vogelkirsche (Prunus avium) gilt als wilde Stammform der Süsskirsche, deren Früchte wir ab Anfang Juni geniessen können. Der Baum wird bis zu 30 Meter hoch, hat meist eine schlanke Krone und ist vor allem an Waldrändern und in der freien Landschaft anzutreffen. In der Landschaft sind Vogelkirschen nicht einfach von kultivierten Süsskirschen zu unterscheiden. Letztere weisen jedoch in etwa zwei Metern Höhe oft eine knollenartige Verdickung auf – die sogenannte Veredelungsstelle. Dabei werden Zweige (Edelreiser) mit besonders vielen oder hochwertigen Blüten auf eine Unterlage, häufig eine Vogelkirsche, aufgepfropft.
Die weissen Blüten erscheinen im April etwas vor dem Laubaustrieb und lassen die Bäume erstrahlen. Eine freistehende Vogelkirsche kann bis zu einer Million Blüten tragen – ein wertvolles Nahrungsangebot für Wildbienen und andere Insekten im Frühjahr. Die roten Früchte, die Kirschen, sind auch bei Vögeln sehr beliebt. Diese tragen zur Verbreitung der Art bei, indem sie die Früchte fressen und die unverdaulichen Steine an anderer Stelle ausscheiden. Die Früchte der Wildform sind deutlich kleiner und weniger süss als die kultivierten Sorten im Handel, aber ebenfalls essbar. Bis wir die Kirschen geniessen können, müssen sie einiges aushalten: Spätfrost oder Regen während der Blüte, Hagel und verschiedene Schädlinge setzen den Bäumen und Früchten regelmässig zu.
Die Vogelkirsche gilt als genügsam, da sie an den Boden nur geringe Ansprüche stellt. Dank ihrer Trockenheits- und Hitzetoleranz könnte sie vom Klimawandel tendenziell profitieren und wird dadurch konkurrenzfähiger gegenüber empfindlicheren Baumarten. Die Blätter der Vogelkirsche sind oval bis eiförmig, scharf gezähnt und enden in einer Spitze. Sie dienen zahlreichen Raupen von Tagfaltern als Futterpflanze. Im Herbst verfärbt sich das Laub gelb bis scharlachrot und sorgt damit bis in den späten Oktober hinein für einen farblichen Höhepunkt. Das Laub verrottet schnell und trägt zur Bildung einer nährstoffreichen Humusschicht bei.
Die Rinde junger Bäume ist glatt und glänzend grau-braun mit auffälligen horizontalen, hellen Korkporen (Lentizellen). Im Alter löst sich die Rinde schuppenartig ab. Das rötlich bis gelb-braune Kernholz zählt zu den Edelhölzern und war bereits in der Barockzeit ein beliebtes Material für Möbel. Auch heute spielt es im hochwertigen Innenausbau eine wichtige Rolle. Bereits im 4. Jahrhundert v.u.Z. kultivierten die Griechen verschiedene Sorten der Süsskirsche. In der Römerzeit gelangte sie schliesslich über Rom auch in die heutige Schweiz.
Speierling
Der Baum des Monats August gehört zu den anspruchsvollen, langsam wachsenden, konkurrenzschwachen und darum eher seltenen Arten. Der Speierling (Sorbus domestica) ist sowohl licht- als auch wärmebedürftig und wird gerne von Wildtieren verbissen. Auf der Rote Liste ist er als stark gefährdet eingestuft.
Der Speierling bildet keine reinen Bestände und fügt sich wie die Elsbeere (Sorbus torminalis), mit der er in Gesellschaft lebt, in Gehölzbestände ein. Im frühen Alter ist der Speierling nur schwer vom Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), der wie auch die Elsbeere nahe mit ihm verwandt ist, zu unterscheiden und wird oft mit ihm verwechselt. Selbst Botaniker:innen und Forstleute übersehen ihn teilweise. Bestimmte Merkmale der Borke, Blätter und Früchte lassen ihn jedoch gut vom Vogelbeerbaum unterscheiden.
Der Baum kann bis zu 30 m hoch werden und bei guten Bedingungen 500 bis 600 Jahre alt werden. Da er sehr langsam wächst und viel Licht braucht, kann er sich gegen andere Arten nur schwer durchsetzen. Pflanzt man einen Speierling, sind die Standortwahl und die Pflege (wiederholtes Freilegen) entscheidend. Je nachdem, wo der Speierling steht, bildet er eine breite – wenn freistehend – oder schlanke Korne – wenn im Wald. Seine Borke ist grünlich-grau, zu Beginn glatt und oft leicht glänzend. Mit dem Alter bildet er eine schuppige Borke, die mit jener der Eiche verwechselt werden kann.
Die Knospen des Speierlings sind oft klebrig und weisen glänzend grüne, mehr oder weniger kahle Schuppen auf. Die Blätter sind jener der Vogelbeere ähnlich und unpaarig gefiedert. Die lanzettlich geformten Teilblätter sind am Rand, vor allem im oberen Drittel, gesägt. Die Teilblätter der Vogelbeere hingegen sind oft bis fast zum Grund gesägt. Wer einen Speierling im Winter ohne Blätter sieht, kann ihn anhand der 10 bis 15 cm langen Mittelrippen der abgefallenen Blätter erkennen und somit von den Eichen unterscheiden.
Nach dem Laubaustrieb steht der Speierling zwischen Mai und Juni in Blüte. Diese ähneln Schirmchen (botanisch Schirmrispen), sind weiss oder rötlich und stehen aufrecht von den Trieben ab. Daraus bilden sich bis im Oktober birnenförmige bis kugelige Früchte, die bis zu 4 cm lang und fast ebenso dick werden. Anhand der Früchte kann der Speierling klar von der Vogelbeere unterschieden werden. Die Früchte des Speierlings sind bei einer Vielzahl von Tieren beliebt. Vögel, aber auch Nagetiere, Rehe, Wildschweine, Füchse sowie Marder fressen sie gerne und tragen damit zur Verbreitung des Baums bei. Denn die Samen scheiden sie unverdaut an einem anderen Ort wieder aus. Durch seine hohen Standortansprüche und die Konkurrenzschwäche ist der Speierling in der Schweiz dennoch selten. Auch die starke Nutzung des Holzes in der Vergangenheit und der Verzicht auf Aufforstung der Art haben zu seinem Verschwinden beigetragen. Da die einzelnen Individuen heute zudem oft isoliert stehen und einhäusig (sowohl männliche als auch weibliche Blüten auf einem Baum) sind, befruchten sie sich oft selbst. Damit wird die Keimfähigkeit der Samen gemindert und eine Verbreitung zusätzlich erschwert.
Schon vor über 2000 Jahren wurde der Speierling laut einer Überlieferung Sorbus genannt. Sorbus leitet sich vom lateinische sorbere ab, was schlürfen bedeutet, was darauf hindeutet, dass seine Früchte einst sehr geschätzt wurden.
Stiel-Eiche
Der Naturnetz-Baum des Monats zählt zu den ökologisch wertvollsten Baumarten der Schweiz. Je nach Quelle sind 300 bis 500 Tierarten bekannt, die auf ihn spezialisiert sind – das heisst, sie sind ausschliesslich oder stark von ihm abhängig. Etwa ebenso viele weitere Tierarten nutzen ihn ebenfalls, jedoch weniger strikt. Auch zahlreiche Flechten finden auf alten Eichen ideale Lebensbedingungen.
Die Stiel-Eiche (Quercus robur) treibt vergleichsweise spät aus, meist erst im April oder Mai. Dadurch gelangt länger Licht auf den Boden als etwa unter Buchen, was diesen erwärmt und das Wachstum einer artenreichen Kraut- und Strauchschicht begünstigt. Diese Kraut- und Strauchschicht bietet wiederum Lebensraum für viele Tiere wie Schnecken, Spinnen und Insekten. Auch die Knospen und Blätter der Eiche sind für zahlreiche Insektenlarven von grosser Bedeutung. Ihre Früchte, die Eicheln, sind bei Wildtieren sehr beliebt und wurden in Notzeiten auch von Menschen genutzt, zum Beispiel als Kaffeeersatz oder Mehl.
Ab Mitte September lässt sich die Stiel-Eiche leicht von der ähnlichen Trauben-Eiche (Quercus petraea) unterscheiden: Bei der Stiel-Eiche hängen die Eicheln einzeln oder zu dritt an langen Stielen, während die Blätter kurz gestielt sind. Die Trauben-Eiche hingegen trägt zwei bis sechs Eicheln traubenartig und ohne Stiel am Zweig, ihre Blätter besitzen einen langen Stiel. Die Blätter der beiden Arten weisen noch weitere Unterscheidungsmerkmale auf. So sind Buchten bei der Stiel-Eiche viel stärker ausgeprägt und die Blattnerven laufen sowohl in die Buchten als in die Lappen. Die Trauben-Eiche weist nur in den Lappen Blattnerven auf. Weiter sind die Blätter der Stiel-Eiche oft geöhrt, jene der Trauben-Eiche nicht.
Alte Eichen mit ausladender Krone weisen oft viel Totholz auf, auch wenn sie gesund sind. Dieses bietet Lebensraum für Totholzkäfer und wird auch von Wildbienen genutzt. Zudem sind alte Eichen wichtig für Vögel, die in Baumhöhlen oder Spalten brüten. In der mit dem Alter aufreissenden Borke finden zahlreiche wirbellose Tiere geeignete Überwinterungsplätze. Stiel-Eichen können beeindruckende 600 bis 1000 Jahre alt werden.
Eichen gelten als Klima- oder Zukunftsbäume. Sie kommen mit zunehmender Trockenheit besser zurecht als viele andere einheimische Baumarten. Die Trauben-Eiche kann Wasserreserven im Boden besonders effizient nutzen und eignet sich deshalb für sehr trockene Standorte. Noch trockenheitsresistenter ist die Flaum-Eiche (Quercus pubescens), die heute vor allem an trockenen und steinigen Hügeln und Felsen im Jura, Wallis, Tessin und Graubünden vorkommt. Neben diesen drei Arten ist auch die Zerr-Eiche (Quercus cerris), die vor allem im Tessin wächst, heimisch in der Schweiz.
In der Naturnetz-Pfannenstil-Region gibt es viele schöne Eichen. Ein Besuch der Bäume lässt sich gut mit einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Region verbinden.
Schöne Eichen stehen z.B. in den Gemeinden Meilen, Maur (Fluh) und Herrliberg (Blüemlisalp).